Paraguay 15.05. - 12.06.2025

... insgesamt gefahrene Route in Paraguay (2.470 km) incl. Rückfahrt durch Argentinien nach Uruguay (3.720 km)

Geschichtlicher kurzer Abriss ab 1700:

Die Jesuitenreduktionen von 1609 – 1767 siehe Text weiter unten …

Unabhängigkeit von Spanien übernahm José Gaspar Rodriguez de Franca die Macht 1811 – 1840. Von der Außenwelt schottete er Paraguay fast komplett ab, dadurch wurde es kulturell isoliert.

Carlos Antonio Lopez 1841 – 1862. Er öffnete das Land wieder, baute die erste Eisenbahn Südamerikas und machte Paraguay zu einer regionalen Wirtschaftsmacht.

Francisco Solano López, ist der Sohn von Carlos und führte den Tripel-Allianz-Krieg, einen Vernichtungskrieg.

Im Tripel-Allianz-Krieg von 1864 bis 1870 kämpfte Paraguay gegen eine Allianz aus Brasilien, Argentinien und Uruguay. Für das Land endete der Krieg katastrophal. Paraguay musste etwa 40 % seines Staatsgebietes an Brasilien und Argentinien abtreten. Das Land, das zuvor als eines der fortschrittlichsten der Region galt, wurde völlig zerstört.

Nach dem Krieg hatte sich die Bevölkerung von ca. 500.000 Menschen auf ca.221.000 Menschen dezimiert. Es überlebten nur etwa 28.000 erwachsene Männer und etwa 193.000 Frauen und Kinder. Das heißt, auf einen Mann kommen ca. 7 Frauen. Fast die gesamte männliche Bevölkerung zwischen 12 und 60 Jahren kämpfte bis zum bitteren Ende. Diese Katastrophe prägte die paraguayische Kultur nachhaltig.

Chaco-Krieg 1932-1935. Im Kampf um das vermeintlich ölreiche Chaco-Gebiet besiegte Paraguay in einer blutigen Wüstenschlacht Bolivien.

Alfredo Stroessner 1954 – 1989 regierte als Diktator 35 Jahre lang das Land, geprägt von Antikommunismus, Menschenrechtsverletzungen und Korruption. Er brachte aber auch Stabilität und baute den Itaipú-Staudamm.

Demokratisierung ab 1989 . Stroessner wurde durch einen Militärputsch gestürzt. Seit 1993 finden regelmäßig Wahlen statt.

Paraguay 15.05. - 12.06.2025

Sehr neugierig waren wir auf Paraguay. Seit 1900 wanderten regelmäßig, insbesondere nach den Weltkriegen aufgrund von Armut und Hunger und aus religiösen Gründen Deutsche nach Paraguay aus. Insbesondere während und nach Corona wurde es von Corona-Leugnern, Verschwörungs-theoretikern, Steuer-Vermeidern und unzufriedenen Deutschen wegen seiner „Möglichkeiten“ und weil es sehr preiswert ist, als das Land ihrer Träume favorisiert. Das Wichtigste war aber die Freiheit, die sie in Deutschland nicht haben. Das wollten wir uns auf unserer Reise durch dieses Land genau ansehen.

Die Grenzüberquerung in Ciudad del Este klappte problemlos, aber direkt hinter der Grenze war alles schmutzig und heruntergekommen. Ein krasser Gegensatz zu Brasilien.

Im Refugio am Lago del Rio Yguazú, einem Platz mit weißem Sand, Palmen einer Wiese am See und einem kleinen Restaurant ruhten wir uns etwas aus. Wir brauchten mal wieder eine Auszeit. Abends kam die Chefin der Anlage und kochte für uns. Ansonsten waren wir ganz alleine auf diesem wunderschönen Platz.


Auf einmal zog sehr schnell und nicht voraussehbar ein Unwetter auf. Heike saß im offenen Restaurant und sah es nicht kommen. Yvonne sah vom Strand aus, wie sich der Himmel braun verfärbte und sich ein Sandsturm mit riesiger Geschwindigkeit auf uns zu bewegte. Ganz schnell war über uns alles braun und die Palmen bogen sich im Sturm. Yvonne rief, winkte aber Heike bekam erst spät mit, was los war. Gerade noch schafften wir es in den Sprinter zu springen und dann ging es auch schon los. Es stürmte und regnete, alles war voll Sand, aber das Zentrum des Sturms zog an uns vorbei.

Später erfuhren wir, dass dieser Sandsturm in etwas entfernter gelegenen Städten losbrach und dort Bäume entwurzelte, Dächer abdeckte und einen großen Schaden hinterließ. Da hatten wir noch einmal riesiges Glück gehabt, so ungeschützt wie wir am Strand standen. Nur in ein massives Duschhaus hätten wir uns flüchten können.


In Coronel Oviedo fuhren wir zu Enten-Walter. Über Reisefreunde erfuhren wir von ihm und wollten eine Kleinigkeit an unserem Sprinter reparieren lassen. Vor 40 Jahren hat er in Paraguay gearbeitet und ist dann „hängen“ geblieben. Er spricht Spanisch und Guarani (Sprache der Einheimischen) und ist einer derjenigen, die sich in Paraguay assimiliert haben. Seine Leidenschaft sind 2 CV „Enten“, von denen er mehrere hat. Während Corona baute er sich aus Teilen, die noch so in seiner Werkstatt herumlagen, ein komplettes Auto.

Bei Pizza und Bier erzählte er uns viel über Paraguay, über die Einwanderungswellen, den Tripel-Allianz-Krieg, der von 1864 – 1870 der blutigste kriegerische Konflikt in der Geschichte Lateinamerikas war.

Er erzählte uns über die Gesetze die es gibt, die aber nicht eingehalten werden und über die Zeit während Corona, in der Einschränkungen der Menschen sehr rigide von der Regierung durchgesetzt wurden. Er ist 75 Jahre alt, hat aber keine Krankenversicherung und auch keine KFZ-Versicherung und wenig Geld. Dies ist anscheinend die gesuchte Freiheit. Es gibt wohl eine staatliche Krankenversorgung, die aber nicht gut sein soll.


... hier übernachteten wir bei Walter

Eigentlich fuhren wir zu Walter, weil unsere Lenkung knackte, dem war aber unser Auto zu modern und er verwies uns an Peter, in Mbocayaty del Guairá.

Peter kam vor der Pandemie nach Paraguay und eröffnete dort seine KFZ-Werkstatt. Er war ein netter Typ und hatte viel Kontakt mit den „neuen deutschen Übersiedlern“, die während Corona kamen.

Die „Neuen“ bezahlten oft nicht die Reparaturkosten, so dass seine Buchhalterin darauf bestand ein Schild gut sichtbar anzubringen, dass ohne Bezahlung kein Auto die Werkstatt verlässt. Nummernschilder hatten die Autos keine, keiner sollte wissen wem der Wagen gehört. Von den Autopapieren durfte Peter nicht das Deckblatt fotografieren, da ja der Name darauf stand und WhatsApp war der Teufel. Das ist anscheinend die Freiheit, die alle suchen …


... siehe Aushang in Deutsch

Um die Ecke war das Café Rosso mit einer deutschen Bäckerei, in der es wunderbares Brot und leckeren Kuchen gab. Im Garten saßen um einen großen runden Tisch nur Deutsche. Vom Nachbartisch aus bekamen wir mit, wie sie ununterbrochen auf Deutschland schimpften … in Deutschland ist es gruselig, dort kann man nicht mehr leben, Information bekommt man nur noch von den Sozialen Medien und alle anderen Nachrichten sind ja gefakt. Auch Corona war immer noch ein großes Thema. Am nächsten Tag saßen dort die gleichen Deutschen und verbreiteten wieder gemeinsam negative Stimmung.

Gerlinde lernten wir ebenfalls durch Walter kennen. Sie wohnt in Independencia auf einem riesigen Waldgrundstück in einem großen Haus mit Swimmingpool. Sie lud uns ein, auf ihrem Grundstück zu übernachten. Nach dem Tod ihres Mannes, sie beide wohnten seit 34 Jahren in Paraguay, wollte sie jetzt ihr Haus so schnell wie möglich verkaufen und zurück nach Österreich gehen. Sie wollte frei sein und mit einem Camper durch die Welt reisen.

In Paraguay ist verreisen ohne House-Sitting nicht so einfach. Ein Haus kann man dort nicht alleine lassen. Wenn es eine Zeit nicht bewohnt ist, wird es ja auch nicht gebraucht … alles wird auseinandergebaut, Fenster, Türen, Dachpfannen, Möbel, Bäder etc. und nach einer bestimmten Zeit ist es nicht mehr da.

Uns war sowieso schleierhaft, warum sie immer noch alleine dort lebt. Da ist nichts ... dort wohnen auf großen Grundstücken die Kolonialisten, zum nächsten Café sind es viele Kilometer. Mit den neuen Auswanderern will sie nichts zu tun haben, da alle Schmarotzer sind. Stephan, ihr Sohn, ein extrem sympathischer Typ, unterstützt sie, will aber auch zurück nach Salzburg.


Gerlinde erzählte von den Kolonialisten, die in Independencia auf extrem großen Grundstücken in großen Häusern wohnen. Die Kolonialisten waren sehr arm und wanderten 1920, zwischen den zwei Weltkriegen, ein. Der Staat versprach den Einwanderern große Ländereien und wenn sie Obstbäume pflanzten, das Grundstück umzäunten und ein Haus darauf bauten bekamen sie das Grundstück geldlos übertragen. Die Kolonialisten haben hart auf ihrem Grundstück gearbeitet und aus Urwald Ackerland gemacht.

… Mopeds und Autos werden hier häufig auf Kredit erworben. Wenn die Raten nicht mehr bezahlt werden können, zieht die Bank die Fahrzeuge ein und bei einer neuen Bank wird wieder ein neues Moped gekauft.

... Chipa ist ein sehr leckeres, herzhaftes, typisches paraguayisches Gebäck und wird überall auch an der Straße verkauft.

Caacupé ist ein Wallfahrtsort und hat ca. 20.000 Einwohner. Er hat überregionale Bedeutung wegen der Basilica de la Virgen. Im Jahr pilgern hier bis zu 1.500.000 Gläubige hin, um die wundertätige Jungfrau Maria zu huldigen. Sie wird in dieser Kirche dargestellt mit einer 60 cm großen, blau gewandeten Marienstatue.

Durch die Vermittlung von Walter hatten wir in Altos einen Termin mit der Frisörin Claudia und ihrem Mann Gisbert. Sie hatte einen Frisörsalon und hat uns die Haare schön kurz geschnitten. Sie sind während Corona nach Paraguay gezogen. Sie lachte viel und erzählte uns ihre Auswanderungsgeschichte. Für uns war es sehr interessant und manchmal auch nachvollziehbar. Das Gespräch verlief ohne Verschwörungstheorien oder Fremdenfeindlichkeit.

Zweimal bot sie uns an, auf ihrem Grundstück zu übernachten. Das Angebot nahmen wir gerne an, zumal wir ja auch Deutsche in Paraguay kennenlernen wollten.

Sie zeigte uns ihr sehr schönes, ungewöhnliches Haus, das aus 2 Bungalows bestand und auf einem 1.200 m² großem Grundstück stand. In Paraguay ist ja alles sehr billig, so dass sie für 1 m² Wohnfläche ohne Grundstück nur 250 Euro bezahlten.


Auch ihr Mann Gisbert war sehr nett. Auf ihrer Terrasse führten wir angeregte Gespräche und gingen abends gemeinsam essen.

Beide waren selbstständig und konnten und wollten den Verwaltungsapparat in Deutschland nicht mehr ertragen. Claudia erzählte, dass Corona all ihr Vertrauen in Deutschlang und in die Regierung zerstört hat. Auch seien die Steuern in Deutschland zu hoch und ihr Geld nicht mehr sicher. Deshalb nahmen sie alles nach Paraguay mit und glauben, dass es hier besser aufgehoben ist. Außerdem zahlen sie in Paraguay nur 10 % Steuern, aber nach Abzug aller Kosten werden sie genauso wie die Einnahmen aus dem Ausland gar nicht versteuert. Sie sind auch nicht krankenversichert und haben hier die „Freiheit“ gefunden die sie wollen.

Zur Freiheit gehört natürlich auch, dass Kulturveranstaltungen, in ihrer extra hierfür gebauten Bar stattfinden sollten, die sie nun aber nicht mehr durchführen können. Zwischenzeitlich wurden um ihr Grundstück herum 4 offene Hallen errichtet (Quincho oder Tinglado), in denen die Paraguayer am Wochenende aber auch in der Woche bei sehr lauter Musik bis früh morgens Hochzeiten, Geburtstage, Taufen etc. feiern. Die Wohnungen der Paraguayer sind zu klein und deshalb mieten sie sich hierfür Festhallen an. Die Musik aus übersteuerten Boxen ist extrem laut und für deutsche Ohren sehr gewöhnungsbedürftig.

Gisbert ist ein leidenschaftlicher Rennradfahrer. Dieses Hobby kann er hier auf den Wegen und Straßen nicht ausüben, da die Hunde der anderen Grundstücksbesitzer ihr Territorium verteidigen, ihm hinterherrennen und ihn in die Wade beißen. Jetzt radelt er auf einem modernen Ergometer hunderte von Kilometern in seinem Gästeappartement mit Klimaanlage.

Als er das erste Mal joggen war, musste er sich 5 Mal vor Hunden retten. Jetzt lässt er es ganz sein.

Ohne 2 CV „Ente“ bewegen sie sich nicht mehr vom Grundstück. Freiheit hat nun mal seinen Preis.

Abends, nach ein paar vielen Flaschen Bier, kippte die Stimmung, da sie Ausländer- und muslimfeindliche Sprüche von sich gaben. Wir hielten dagegen und wollten eigentlich das Thema nicht vertiefen, aber sie ließen nicht locker und wir gingen dann schlafen.

Die Stimmung war bei unserem Abschied immer noch angespannt und als wir uns abends über WhatsApp bei ihnen bedanken wollten, hatten sie unsere Nummer schon blockiert. Über den Status sahen wir aber, dass sie Verschwörungstheorien und Infos der AFD verbreiteten.


Morgens fuhren wir zu dem bekannten deutschen Markt in San Bernardino, auf dem leckeres Brot und deutsche Produkte wie Marmeladen oder Dosen aus Deutschland verkauft wurden. Deutsche Frauen häkelten Topflappen um sich Geld dazuzuverdienen, kochten Kaffee und verkauften Kuchen.

Es war ein deutscher Treffpunkt, auf dem sich die Deutschen trafen und zusammensetzten, um teilweise auch intensiv über Deutschland zu schimpfen.

Vom Chaco hatten wir eine klare Vorstellung, absolut heiß, staubig, trocken, lebensfeindlich und durchzogen von einer katastrophalen Straße. Der Chaco ist eines der heißesten und trockensten Gebiete, die es in Südamerika gibt. Den Chaco lernten wir jedoch ganz anders kennen. Da die Regenzeit gerade erst beendet war, grünte alles, Büsche, Bäume, Felder und Palmen. An den Straßenrändern war alles nass und es gab kleine Seen.

Wir fuhren auf einer großen neuen Hauptstraße der No. 9, auf der fast nur Viehtransporter an uns vorbei donnerten. Alle LKW´s, die uns aus dem Chaco entgegen kamen, waren gefüllt mit Rindern. Es war sehr warm, die Landschaft flach, kaum Häuser oder Menschen. An einer Kreuzung standen vereinzelt Häuser, das war hier eine Stadt. Wir fuhren und fuhren, bis mitten in den Chaco hinein, aber die neue Straße war auch wunderbar zu befahren. Parallel hierzu verläuft die alte, sehr desolate und kleine Straße, die noch bis vor kurzem von den Autos und insbesondere den LKW`s benutzt werden musste. Damals hätten wir bestimmt die dreifache Zeit gebraucht.


Im Chaco leben die Mennoniten, die es geschafft haben ein absolut trockenes und menschenfeindliches Gebiet urban zu machen. Zwischenzeitlich sind sie der größte Fleisch-, Milch- und Saatenlieferant von Paraguay. Sie werden sehr geschätzt und sind absolut anerkannt.

Die Mennoniten sind eine weltweite evangelische Freikirche. Ihre Werte sind das Streben nach Frieden, Pazifismus und Gewaltlosigkeit. Sie lehnen den Wehrdienst grundsätzlich ab und praktizieren die Erwachsenentaufe (Täuferbewegung). Erst wenn sich der erwachsene Mensch klar zu dem evangelischen Glauben bekennt, wird er getauft, keiner wird gezwungen oder ausgestoßen.

Es gibt unterschiedliche Ausrichtungen, einige Mennonitengruppen leben noch sehr einfach und konservativ, weltabgewandt, mit traditioneller Tracht, Pferdekutschen etc.

Andere Mennonitengruppen sind sehr fortschriftlich und weltoffen.

Früher (zwischen 1715 und 1815) wurden sie in Europa verfolgt und getötet. Auf Einladung von Katharina der Großen, die ihnen die Religionsfreiheit garantierte und sie von militärischen Pflichten freistellte, wanderte eine große Gruppe nach Russland aus.


In dem Ort Filadelfia übernachteten wir am Hotel Florida, mit Dusche und Pool und lernten die Holländer Sandra und Sebastian kennen.

In einem von einer Mennonitin geführten „deutschen“ Café, aßen wir leckeren selbstgemachten Kuchen und tranken Latte. Schon für das wunderbare Brot war es die lange Reise wert. Sofort bekamen wir Kontakt zu den Menschen, die alle deutsch sprachen und sehr an uns interessiert waren. Von ihnen erfuhren wir viel über ihr Land und ihre Religion. Sie kamen überwiegend um 1920 aus Russland, als die Kommunistische Partei nach dem Bürgerkrieg ihre Herrschaft stabilisierte.

Auf unsere Frage, wie man im Sommer 5 Monate lang 42 Grad Hitze auch nachts aushält, bekamen wir zur Antwort, man hält sich in Räumen bzw. im Auto mit Klimaanlage auf und die Siesta wird grundsätzlich eingehalten.

In Filadelfia gibt es mehrere sehr interessante Museen, die die Geschichte und die Auswanderungsbewegung der Mennoniten erzählen.

... Skala der Regenfälle im Chaco

... erstes Treffen der Enlhet (bevölkerungsreichste indigene Gruppe im zentralen Chaco) mit den Mennoniten 1930
… um sich durch den Busch durchzukämpfen, waren sehr große Räder notwendig.

Die Stadt Concepción liegt am Rande des Chaco. In Concepción wurde es sehr kalt, wir hatten einen Temperatursturz von über 20 Grad. Nachts war es nur noch 8 Grad.

Wir übernachteten in Belén im El Roble, eine Eco Lodge mit Fischteichen, vielen eingesperrten Tieren und einem Restaurant. Der Platz war sehr grün bewachsen, aber auch zugewuchert. In der Hitze bestimmt angenehm, aber in der Kälte und Nässe war es nur patschig und matschig. Während des Essens fiel der Strom aus, es war stockdunkel und lausekalt. Und morgens funktionierte auch die Dusche nicht … so einen Platz mögen wir gar nicht und wir waren auch wieder alleine dort.

Es war ein weiter Weg zur Laguna Blanca (weiße Lagune), einem Ausflugsgebiet. Es wurde immer herbstlicher und es gab dort nur uns und den Kassierer. Nachdem wir, die einzigen Besucher, Eintritt gezahlt hatten, fuhr er schnell weg.

Während der Rushhour kamen wir in Asunción an und mussten von einer Seitenstraße über eine sehr stark befahrene 4-spurige Hauptstraße, während des laufenden Verkehrs, links abbiegen. Ganz schön schwierig. Auf einmal stoppte uns ein Polizist auf einem Motorrad mit Blaulicht und zwingt uns an den Straßenrand. Ein anderer fuhr hinter uns her.

Jetzt fing die Abzocke an. Sie behaupteten, wir hätten nicht links in die Hauptstraße abbiegen dürfen und zeigten uns eine Busgeldtabelle. Eine langwierige Diskussion begann, wir sitzen solche Situationen gerne aus. Irgendwann behaupteten sie, dass dort ein Verbotsschild steht, das wir übersehen hätten. Ok, sagte Heike, dann schauen wir uns das gemeinsam zu Fuß an (ca. 800m entfernt) und macht die Tür auf um loszulaufen. Da die Polizisten sofort merkten, dass Heike wild entschlossen war, erschraken sie und lenkten sofort ein. Man dürfte dort nicht links abbiegen, aber da wir das erste Mal in Paraguay sind, verwarnten sie uns nur mündlich und wünschten uns ganz freundlich eine gute Fahrt … geht doch!!


Auf dem Parkplatz des 4 Sterne-Hotels Westfalenhaus durften wir übernachten und im Hotel ein extrem sauberes Bad mit 2 frischen Handtüchern benutzen. Natürlich wurde deutsch gesprochen.

Morgens fuhren wir mit Uber ins Zentrum von Asunción und besichtigten den alten Bahnhof. In Paraguay gibt es allerdings keine Zugverbindungen mehr.

Es war Sonntag und die Einkaufsstraße war für Autos gesperrt. In ihr wurde ein großes Straßenfest mit Verkaufs- und Essensständen gefeiert, alle Geschäfte hatten geöffnet. Es gab Sitzmöglichkeiten und fetzige Musik, die Stimmung war gut.

Natürlich sahen wir uns die Kathedrale, das Pantheon, das Haus Independencia und den Präsidentenpalast an. Die Polizeipräsenz war gigantisch. An jeder Ecke und überall auf der Straße standen Polizisten und Militär. Uns gefiel das historische Zentrum gut. Hier stehen wunderbare alte renovierte Gebäude zwischen verkommenen und verfallenen Gebäuden. Selten eine so gegensätzliche Altstadt gesehen.

Gegenüber vom Präsidentenpalast im Kulturzentrum gibt es ein wunderbares Café mit Blick auf den Präsidentenpalast.

Die Jesuitenreduktionen San Cosme y Damián und La Santisima Trinidad de Paraná (seit 1993 UNESCO Weltkulturerbe) sind von den Jesuiten für die indigene Bevölkerung errichtete Siedlungen. Die Missionare kamen aus fast allen Teilen Europas. Ungefähr die Hälfte der Missionare stammte aus dem deutschsprachigen Raum.

Es wurde dort strenge christliche Ordnung mit traditionellen Strukturen der Guarani kombiniert. Die Reduktionen beschützten die indigene Bevölkerung vor Sklaverei und Ausbeutung. Die Wirtschaft basierte auf Privateigentum und Kollektivwirtschaft, was zu Erfolg und wirtschaftlichem Reichtum führte. Die Jesuitenreduktion gab es in der Zeit von 1609 bis 1767und wurde plötzlich aufgrund politischer Konflikte in Europa und Neid auf den wirtschaftlichen Erfolg zerstört.


In Carmen del Paraná aßen wir in einer Resto-Bar und wollten dort auch gegenüber an der Straße schlafen. Die Besitzerin der kleinen Bar bot uns an, auf ihrem Grundstück zu übernachten und die Dusche und Toilette zu benutzen. Als wir dankend ablehnten bot sie uns an, wenn etwas ist sollten wir ans Fenster klopfen oder anrufen … Das sind so kleine Erlebnisse, die wir während unserer Reisen so wunderbar finden.

Encarnación angesehen und als uninteressant eingestuft.

Hohenau wird maßgeblich von deutschen Einwanderern geprägt, die vor Hunger, Krieg oder religiöser Verfolgung ab 1900 flüchteten und in Hohenau mit harter körperlicher Arbeit das Land aufbauten. Der deutsche Einfluss ist auch heute noch unübersehbar. Viele Häuser erinnern an deutsche Städte, es gibt deutsche Vereine, Schulen, ein Oktoberfest und in vielen Familien wird immer noch deutsch gesprochen. Aufgrund der hochmodernen Landwirtschaft ist die Region eine der wohlhabendsten des Landes.

Nach 1945 versteckten sich dort Nationalsozialisten z.B. Josef Mengele. Die damalige Diktatur von Alfredo Stroessner bot vielen NS-Verbrechern Schutz.

Vor allem während der Corona-Pandemie zogen viele Deutsche, die die europäischen Beschränkungen, die Steuern oder Politik ablehnten nach Hohenau. So entstand teilweise eine Parallelgesellschaft zwischen den Kolonialisten und den Neu-Einwanderern, da diese oft unter sich bleiben und kaum Spanisch oder Guarani lernen.


In Hohenau fuhren wir zum Parque Hotel Manantial Campsite und hofften, dort andere Reisende zu treffen. Während unserer ganzen Fahrt trafen wir mit Ausnahme des Chaco keine anderen westlichen Reisenden. Und tatsächlich, standen einige Overlander auf einer großen Wiese. Dort campten auch Silvia und Bernd, die 2 Jahre durch Süd-Amerika reisen und Claudia und Uwe, die schon seit ca. 15 Jahren mit ihrem Camper hier unterwegs sind. Es hat uns dort super gefallen, gerne wären wir länger geblieben aber leider mussten wir zurück nach Uruguay.

... Tapir

In Bella Vista / Puerto Mani fährt eine Fähre nach Argentinien. Vorher wollte der Zollbeamte von uns noch 10.000 Guarani = 1 USD haben, sonst würde er uns die Papiere nicht zurückgeben. Es ist wenig Geld aber trotzdem Erpressung. Da die Fähre bereits wartete hatten wir keine Chance und bezahlten.

Unterwegs haben wir den Laden / Kneipe / Restaurant La Alemana besichtigt, alles voller skurriler Gegenstände und deutscher Lebensmittel.


Je weiter wir in den Süden Argentiniens kamen desto überschwemmter war das Land. Überall hatten sich große Seen gebildet und der Campingplatz an der Grenze nach Uruguay war völlig überschwemmt.

Unser Ziel in Uruguay war wieder TerraVentura (UY Storage), wo unserer Sprinter bis zur nächsten Reise abgestellt wird. Mit den Österreichern Martina und Rainer tranken wir noch die Weinreste aus, es war ein lustiger Abend. Sie wollen nach Uruguay auswandern und haben sich gerade ein Grundstück dort gekauft. Auch der Influencer Fabian stand dort. Er wollte seinen LKW nach Deutschland verschiffen und anschließend verkaufen, um mit dem Geld mit seiner brasilianischen Frau und seinem Sohn in Brasilien ein Haus zu kaufen. Die Lebensplanungen der Menschen sind teilweise hoch interessant.

Letzter Abend in Montevideo

Die Rückreise von Frankfurt nach Hause war eine Katastrophe … Dreimal mussten wir umsteigen und jedesmal hatten die ICE-Loks technische Probleme, so dass sie nicht mehr weiterfahren konnten und sogar Schienenersatzverkehr genutzt werden musste … und dies bei sengender Hitze mit viel Gepäck. Statt ca. 2 Stunden waren wir 7 Stunden unterwegs!

Fläche: 407.000 km² (ca. 14 % größer als Deutschland)

Mit Bolivien ist es das einzige Binnenland Amerikas.

Einwohner: 7.000.000  Hauptstadt: Asunción

Amtssprache: Guaraní, Spanisch

Präsident: Santiago Pena

 

Hier ein paar Zahlen:

21 Tage in Paraguay mit dem Sprinter unterwegs gewesen

14 x an unterschiedlichen Stellen übernachtet

Insgesamt gefahrene km: 2.470 km

 

Preise in Guaraní (PYG), 1 Euro = 9.000 PYG

Diesel S10, 1 l    8.900 PYG

Wasser 1 l    3.300 PYG

Milch 1 l     8.500 PYG

Bier im Restaurant 0,5 l     10.000 – 20.000 PYG

Bananen 1 kg     4.500 PYG

6 Eier     10.000 PYG

Essen mit Fleisch im billigen Restaurant     50.000 PYG

Essen mit Fleisch im teuren Restaurant     100.000 PYG