Chile 09.02. - 15.04.2026
(über Uruguay und Argentinien)
URUGUAY
Nach 27 Stunden "unterwegs" kamen wir ohne Probleme im UY-Storage in Uruguay an. Unsere neuen Reifen waren aufgezogen, unsere mitgebrachten Stoßdämpfer wurden montiert und unser Sprinter war abreisebereit. Wie immer waren nette Leute auf dem Platz, so auch Colli und Roland, er ein schwer überzeugter Schalker, der trotz unseres BVB Aufklebers mit uns sprach ;-))). Sie waren seit 2 Jahren in Südamerika unterwegs und freuten sich jetzt auf die "Jahreszeiten" zu Hause.
Am nächsten Tag trafen wir uns mit Martina und Rainer auf dem Sonnenplatz, in Punta Ballena, in der Nähe von Punta del Este. Rainer kochte und wir hatten einen feucht fröhlichen und sehr schönen Abend. Am nächsten Tag besichtigten wir ihr Grundstück in Acres de Solanas. Es liegt in einer sehr schönen und noblen Gegend. Ganz nah an der Laguna del Sauce gelegen und das Meer ist auch "um die Ecke".
Wir besuchten die Casapueblo (die bewohnbare Skulptur) des Künstlers Carlos Páez Vilaró, einer der bedeutendsten Künstler Uruguays. Dies der Sonne zugewandte strahlend weiße Haus wurde in 36 Jahren vom Künstler errichtet und beherbergt ein kleines Museum und ein Hotel. Bekannt wurde Vilaró auch durch "das Wunder der Anden", als sein Sohn mit seiner Rugby-Mannschaft in den Anden abstürzte und nach 72 Tagen aus der eisigen Kälte gerettet wurde. Vilaró gab nie auf und suchte ihn weiter, obwohl alle die Hoffnung auf Rettung bereits aufgegeben hatten.
In Piriápolis gibt es schöne Geschäfte, Lokale und eine große Promenade, auf der abends ein Karnevalszug stattfand. Die Zuschauer kamen mit ihren kleinen Campingstühlen, um am Rande der Rambla den Karnevalszug anzusehen. Der Zug faszinierte durch seine Buntheit, durch die leicht bekleideten Salsa-Tänzerinnen in ihren knappen, glitzernden und schimmernden Kostümen, mit hohen glänzenden Schuhen und ihrem aufwendigen Kopfschmuck. Begleitet wird der Zug u.a. von Candombe-Trommlern, die allen einheizten. Nach Mittenacht war dieses wunderbare Spektakel beendet.
ARGENTINIEN
Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von Martina und Rainer und überquerten die argentinische Grenze und landeten mal wieder in Gualeguaychú, einem richtig schönen Städtchen am Rio Uruguay. Morgens machte unser Sprinter starke Geräusche. So konnten wir auf keinen Fall weiter fahren. Es war Samstag und Karnevalszeit und wir befürchteten, dass alle Werkstätten geschlossen sind. Aber alles kein Problem, ein Mechaniker stellte sofort die richtige Diagnose und besorgte ein Reparaturset für den Nebenaggregatetrieb incl. Keilrippenriemen und nachmittags fuhren wir weiter.
Und ab dann wurde das Wetter schlecht. Es war schon spät, Cordoba war noch zu weit, Rosario gefiel uns gut, war aber so voller Menschen und Autos, dass wir keinen Übernachtungsplatz fanden und so landeten wir in Carcarana, in einer furchtbaren Clubanlage. Es regnete und gewitterte. Als wir am nächsten Tag in Córdoba ankamen war es Sonntag, alles war geschlossen und es war immer noch ganz schlechtes deprimierendes Wetter. Als wir den Campingplatz bezahlen wollten fragte uns der junge Pförtner nach unserem Alter. Als er unser stolzes Alter erfuhr, brauchten wir für die Übernachtung nichts zu bezahlen, unser Sprinter sollte aber umgerechnet ca. 7 USD kosten. Kreditkarten nahm er nicht an, bare USD wollte er nicht und so standen wir ganz umsonst dort. Anschließend schenkte er uns noch eine Flasche Mückenschutzmittel.
Unsere ursprüngliche "Planung" ging nur bis Córdoba, aber danach wollten wir hauptsächlich den Norden Argentiniens bereisen. Den ganzen Abend überlegten wir, wo wollen wir genau hin, wie und wo können wir uns wegen der Höhe akklimatisieren, wie wird das Wetter ... . Nachts regnete es so stark, dass die Zelte der anderen Camper abgesoffen waren. Unter das Vordach des Waschhauses verstauten sie kreuz und quer ihre Stühle, Tische und Matten, Essen und alles was sie hatten. Ein buntes Treiben.
Am nächsten Morgen regnete es immer noch und das gab den Ausschlag. Die Wetterkarte zeigte auch keine Entwarnung, aber hinter den Anden in Chile schien konstant die Sonne. Spontan entschieden wir, Argentinien so schnell wie möglich zu verlassen und über den 4.780 m hohen Paso Agua Negra nach Chile zu fahren. Dies ist der höchste internationale Grenzpass der Anden.
Nach einer langen und anstrengenden Fahrt landeten wir kurz bevor es dunkel wurde mitten im Nirgendwo am Hotel El Chiflón. Der Platz inmitten der Berge war phantastisch.
Wer durch Argentinien und Chile reist, sieht an den Straßenrändern immer wieder mit roten Flaggen geschmückte kleine Schreine, die von hunderten mit Wasser gefüllten Plastikflaschen umgeben sind. Dies ist zu Ehren von Difunta Correa, die heute als Heilige und Schutzpatronin der Straße verehrt wird. In einer Legende folgt sie aus Liebe ihrem im Bürgerkrieg verschleppten Mann zu Fuß mit ihrem Baby in die unbarmherzige Halbwüste. Dort verdurstete sie. Nach einigen Tagen fanden Gauchos die Leiche der toten Mutter. Völlig erstaunt stellten sie fest, dass das Baby lebte und immer noch an der Brust der verstorbenen Mutter trank, deren Muttermilch trotz des Todes nicht aufgehört hatte zu fließen.
Der Nationalpark Ischigualasto gehört zum Weltkulturerbe und wird auch Valle de La Luna (Mondtal) genannt. Das Tal ist eines der weltweit wichtigsten Stätte für Fossilienfunde. Forscher haben hier einige der ältesten und bekanntesten Dinosaurier-Skelette der Welt gefunden (ca. 230 Mio. Jahre alt). Der seltene aber heftige Regen und der Wind haben Figuren in den Sandstein geschliffen. Leider konnten wir den großen Park nur geführt befahren. Die Strecke, die wir in unserem Sprinter im Konvoi durch die Steinwüste zurücklegten war phantastisch und sehr eindrücklich. Wir sahen Skulpturen aus Stein, wie z. B. die Sphinx und ein Boccia-Feld.
Der Höhepunkt für uns war ein kleines Museum, in dem ein Fossil eines echten Dinosaurier, der nicht komplett ausgegraben war, besichtigt werden konnte.
Kurz vor dem Pass, in der Nähe von Rodeo gibt es einen See Dique Cuesta del Viento, der der Hotspot der Kitesurfer ist. Am See pfiff es uns orkanartig um die Ohren und überall sahen wir Segel im Wind.
Am Morgen, wir waren ganz allein, fühlten wir uns wie in einer Mondlandschaft, überall Lehm, kein Grün und umgeben waren wir von Bergen, die wie aufgeschüttete Kohlehalden des Ruhrgebietes aussahen. Von weitem sahen wir schneebedeckte Gipfel. Die Sonne schien, es ging kein Wind mehr und es war eine besondere Stimmung.
Bei der Ausreise aus Argentinien trug uns ein Grenzbeamter in eine Liste ein und wir bekamen einen kleinen Zettel mit einer Nummer. Diesen mussten wir nach der Überquerung des Passes bei der Einreise nach Chile wieder abgeben. Wären wir abends nicht angekommen, hätte man einen Suchtrupp losgeschickt … Sehr gespannt waren wir, wie uns die Überquerung des 4.780 m hohen Paso Agua Negra gefällt und wie uns die Höhe bekommt, da wir noch niemals so weit oben waren. Erst war die Straße asphaltiert, ging dann aber in Schotter und Wellblech über und unser Auto rappelte ganz schön stark. In der Höhe merkten wir die dünne Luft, aber trotzdem war die Passüberquerung großartig. Die Abfahrt nach Chile war viel steiler und die Autos, die uns aus der Gegenrichtung entgegen kamen, hatten beim Anfahren auf der unbefestigten Piste große Probleme. Unsere Passüberquerung dauerte sehr lange, da uns die Berge in ihren vielfältigen Farben, gelb, schwarz, rot und braun und die Schneegipfel in der Ferne faszinierten. Immer wieder legten wir Fotostopps ein.
Bei der Einreise nach Chile dürfen bestimmte Lebensmittel nicht eingeführt werden, aber bisher hatten wir deshalb an den Grenzen noch nie große Probleme. Als aber diesmal zwei Grenzbeamtinnen bereits die Ablagen an der Fahrertür durchsuchten, wussten wir, das geht diesmal nicht gut. Es gab keine Ecke, kein Fach, keine Tasche, die sie nicht durchwühlten. Unser ganzes Obst und Gemüse, unsere Nüsse, Eier und Wurst, alles wurde uns abgenommen.
Bei der Einfahrt ins Elqui-Tal waren wir anfangs geschockt aufgrund der Enge und den teilweise verlassenen Gewächshäusern, an denen die Abdeckungen zerrissen waren und im Wind flatterten.
Aber dann fuhren wir immer weiter ins Grüne und ins fruchtbare Tal des Rio Elqui hinein. In dieser wüstenähnlichen Gegend zwischen den kahlen Bergen wird jede freie Fläche zum Wein- und Früchteanbau genutzt.
Aus dem destillierten Traubenmost wird der bekannte Pisco (Weinbrand) gebrannt. Der absolute Klassiker ist der sehr gern getrunkene Pisco Sour.
Der Ort Pisco Elqui, der in den 80ern von Esoterikern entdeckt wurde, ist mittlerweile der Hotspot in dieser Gegend, bunt und quirlig. Da in Chile bis Ende Februar noch Hauptsaison ist, war das kleine Städtchen total überlaufen.
Vicuna liegt an der Ruta de las Estrellas (Sternenstrasse). In dieser Gegend gibt es aufgrund der klaren Luft und der nicht vorhandenen Lichtverschmutzung viele Observatorien, die besichtigt werden können. Die Wartezeiten hierfür waren lang und so sahen wir uns ein Observatorium von außen an.
Vicuna ist eine gewachsene sympathische Stadt. Auf der Plaza war ein großes Fest für die „verrückten Alten“, mit Musik und Tanz. Dort tranken wir auch unseren ersten Pisco Sour. An den können wir uns gewöhnen. Pisco wird im Gegensatz zu Grappa, der aus Pressresten gemacht wird, nur aus dem reinen vergorenen Traubensaft hergestellt.
La Serena ist eine große weitläufige Stadt und ihr langer Sandstrand ist 2 km vom Zentrum entfernt. In der Hauptsaison ist es hier so voll, wie in Rimini.
Da hat uns der Nachbarort Coquimbo, mit seinem Fischmarkt und seinem strengen Geruch, viel besser gefallen. Hier hatten wir den Eindruck, Chile unverfälscht zu sehen.
Punta de Choros ist staubig, windig, etwas wild, aber absolut entschleunigt. Der Sand ist schön hell und wüstenartige Berge umschließen diesen Ort. Am Hafen gibt es kleine Fischrestaurants, in denen es tagesfrischen Fisch gibt, aber nur bis 18.00 Uhr und nur gegen "Bares". Der nächste Geldautomat ist 80 km entfernt. Von hier aus fahren Boote zum Nationalreservat, auf denen Humboldt Pinguine leben.
Die Nord-Küste von Chile ist morgens immer in Nebel gehüllt. Dieser Küstennebel (Camanchaca), ist ein Lebensretter und die einzige Feuchtigkeitsquelle für die Natur, in der es so gut wie nie regnet. Durch die feinen Wasser Tröpfchen des Nebels können u.a. Kakteen, Flechten und Sträucher überleben. Die Entstehung ist ein Zusammenspiel der eiskalten Meeresströmung des Humboldtstroms und der heißen Wüstenluft. Erst gegen Mittag kam die Sonne durch und der Himmel war blau, bei ca. 27 Grad tagsüber und ca. 17 Grad nachts. Dieser Küstennebel verleidet uns manchmal das Meer, zumal ein paar Kilometer weiter im Landesinneren schönes Wetter ist.
Von Chanaral de Aceituno werden Walbootstouren angeboten, aber noch nie haben wir in einem Touristenort (überwiegend Tagestouristen) so viel "bruch und dallas" gesehen wie hier. Überall war etwas kaputt, abgerissen, umgefallen und voll Gerümpel. Die Häuser waren meistens sehr einfach aus Holzbrettern und um 17.00 Uhr gab es nichts mehr zu essen. Danach hatten wir keine Möglichkeit, obwohl noch die Sonne schien, uns außerhalb unseres Sprinters, irgendwo hinzusetzen.
Ein großartiges Erlebnis war aber die Walsafari, auf der wir mehrere sehr große und mittlere Wale und einen springenden Delfin vom Boot aus sahen. Ganz aufgeregt waren wir, wenn neben dem Boot ein großer schwarzer Rücken auftauchte oder eine Wasserfontäne aufstieg.
Die Fahrt nach Vallenar führte bei Sonnenschein durch ganz karge, hügelige Gegend und am nächsten Tag nach Caleta Pajonales. Den Küstenstreifen zwischen diesen Orten empfinden wir bei Sonnenschein als wunderschön. Hier ist es einsam, sehr windig, das Meer tost und die Berge sind wüstenähnlich mit Kakteen und anderen Wüstenpflanzen bewachsen. Zwischen den Felsen stehen kleine heruntergekommene teilweise verfallene Ferienhäuser, die meisten aus Pressspan. Anscheinend lieben einige Menschen den Wind, den kalten Pazifik, den täglichen morgendlichen Nebel und die Einsamkeit.
Caleta Pajonales ist ein kleiner ganz chaotischer Touristenort. Am nächsten Morgen kamen ca. 750 Chilenen und Chileninnen, die aus finanziellen Gründen nicht in Urlaub fahren können. Jedes Jahr werden sie von der Kommune für einen Tag zu einem Ausflug eingeladen. Sie werden mit dem Bus abgeholt, bekommen Essen und Trinken, Animation und bei Musik wird getanzt. Alles umsonst. Während der Urlaubszeit werden insgesamt ca. 15.000 Menschen eingeladen.
Caleta Barranquilla ist ein Ort mit 220 Einwohnern und 1.100 Häusern. Es sind Zweitwohnsitze und Ferienhäuser. Mit kleinen Steingärten wird versucht den Ort etwas aufzuhübschen. Er ist sehr einfach und verrümpelt.
Genauso wie der Ferienort Puerto Viejo, von dem aber zum Playa La Virgen eine Piste zum Strand hinunter führt. Dieser Strand hat weißen Sand und wird deshalb sehr stark frequentiert. Dies wird mit "Karibikfeeling" erklärt, na ja ... .
Bahia Inglesa ist ein schicker Touristenort, im Februar natürlich auch ziemlich voll. Er hatte eine schöne Promenade, Restaurants, Bars und der Strand war wundervoll. Er liegt in einer Bucht und der Sand war ganz weiß. Hier war einiges los ...
Der Nachbarort Caldera hatte kaum Strand, war dafür eine angenehme Stadt mit historischem, eckigen Leuchtturm und Hafen. Hier wurde ein großes Saisonabschiedsfest gefeiert.
In Copiapó stehen wir direkt an einem gepflegten Park unter Pfefferbäumen, der zwischen den trockenen Bergen wie in einer Oase liegt. Direkt um die Ecke waren das Gefängnis und ein tolles Restaurant. Obwohl in Chile sonst so viel Müll herumliegt, werden die kleinen Parks in den meisten Orten penibel gepflegt. Es war in der Nacht ruhig und wir standen ganz alleine da. Zu Fuß konnten wir das Zentrum gut erreichen und fühlten uns hier so wohl, dass wir ein paar Tage blieben. Als wir mitbekamen, dass die Chilenen ihre PKW`s überwiegend auf bewachten Parkplätzen hinter Mauern und Stacheldraht abstellten, kamen wir ins Grübeln und versuchten, bevor es dunkel wurde zu unserem Sprinter zurückzukehren, damit er nicht so ganz alleine am Straßenrand steht … .
Großartig fanden wir das Museum Nuevo Museo Regional de Atacama, dass erst im Januar in einem beeindruckenden Neubau eröffnet wurde. Es gilt als eines der modernsten Museen Südamerikas und bietet eine faszinierende Reise durch die Geschichte der trockensten Wüste der Welt.
Jetzt ging es endlich hoch in die Anden, Richtung Paso de San Francisco zur Laguna Verde, die kurz vor der Grenze nach Argentinien liegt. Zum Akklimatisieren und da die Tour bis zur Laguna Verde ca. 270 km weit ist und sie auf ca. 4.350 m liegt, übernachteten wir bereits auf 2.800 m direkt an der Straße neben einer grünen Ebene, auf der wilde Esel grasten. Über 4.000 m wollten wir auf keinen Fall übernachten. Es war sonnig, windig und kalt.
Am nächsten Morgen donnerten viele LKWˋs an uns vorbei, die zu einer der vielen Minen, die es hier in den Bergen gibt, wollten. Plötzlich hielt ein PKW an und ein Mann bat uns um Hilfe. Er benötigte Sauerstoff, da seine Frau große Luftnot hatte. Leider konnten wir ihm nicht mit einer Sauerstoffflasche helfen. Dieses Problem scheint es in der Höhe öfter zu geben, da an allen hoch gelegenen Grenzstationen Sauerstoffflaschen bereit stehen!
Je höher wir kamen, umso schöner wurde die Landschaft. Die Täler wurden weiter und die Berge bunter. Trotz "Wüste" gab es immer wieder kleine grüne Oasen und die Felsformationen änderten sich ständig. An einer Abzweigung ging es zu einer Goldmine und ab da verschwanden die LKWˋs. Jetzt waren wir alleine. Die Straße führte immer weiter hoch (wir waren sehr lange in 4.000 m Höhe) und plötzlich sahen wir die Laguna Verde mit ihrem türkisfarbenen Wasser auf 4.330 m vor uns, phantastisch. Beim Essen fiel Yvonne auf, dass gleichzeitig essen und atmen gar nicht so einfach ist ... und plötzlich joggte ein junger Mann lachend und winkend an uns vorbei.
Die Gedenkstätte "Mina de San José" erinnerte an das Bergwerkunglück aus dem Jahr 2010. Damals wurden in der Gold- und Kupfermine 33 Bergleute verschüttet. Niemand ahnte, dass dieses Grubenunglück eine spektakuläre Rettungsaktion auslöste, die Chile wochenlang Spitzenplätze in der Weltpresse sicherte. Die Hoffnung auf Rettung wurde fast aufgegeben, doch nach 17 Tagen kam die erlösende Nachricht auf einem Zettel, der auf einem Bohrkopf befestigt war: "uns geht es im Schutzraum gut". Durch die engen Sondierungsbohrungen konnten die Bergleute notdürftig versorgt werden, doch wie sollte man sie aus dem Berg herausholen? Die Regierung setzte drei Großbohrgeräte ein, die mit verschiedenen Techniken auf verschiedenen Wegen ein ausreichend großes Bohrloch zu den Verschütteten bohren sollte. Eine enorme technische Herausforderung im Wettlauf gegen die Zeit. 69 Tage nach dem Unglück wurden vor 1.700 JournalistInnen vor Ort und Millionen von Fernsehzuschauern weltweit, die 33 Bergleute mit einer eigens konstruierten Rettungskapsel wieder ans Tageslicht geholt.
Der damals verschüttete Bergmann Jorge Galleguillos, ist jetzt Museumsführer in der Gedenkstätte und begrüßte uns herzlich. In einem kleinen Museum sahen wir Fotos und Filme der Rettung, es war für uns sehr emotional und berührend.
Vom Bergwerk San José fuhren wir durch die Wüste direkt hinunter zum Meer zum Nationalpark Pan de Azúcar. Eine Sandpiste durchquerte den entlang der Küste liegenden Park von Süden nach Norden. Der Park besteht aus Wüstengebieten, Sandstränden, Teilen der ansteigenden Küstenkordillere und der Insel Pan de Azúcar. Auf ihr leben Humboldt-Pinguine, Robben und Pelikane. In einer tiefschwarzen Nacht standen wir alleine an einem Aussichtspunkt.
Um einen begehrten Besichtigungstermin für das Paranal-Observatorium, betrieben von der Europäischen Südsternarte (ESO), zu bekommen, muss man normalerweise viele Wochen warten. Ganz kurzfristig hatten wir unglaubliches Glück und erhielten bereits für 2 Tage später eine Zusage.
Also machten wir uns sofort auf den Weg und fuhren durch eine endlose Wüste und karge Halbwüste.
In der Nähe des Observatoriums suchten wir uns in den Wüstenbergen eine geschützte Senke unter sternenklarem Himmel, verborgen vor den LKW`s.
Morgens am Eingang des Paranal-Observatoriums wurden wir in einen Bus gesetzt und fuhren bis auf 2.635 m hoch. Wir wurden in Kleingruppen von 5 Personen aufgeteilt und erhielten eine professionelle und interessante Führung.
Das Paranal-Observatorium ist eines der bedeutendsten Fenster der Menschheit zum Universum. Es liegt auf dem Cerro Paranal in der chilenischen Atacama-Wüste, einer der trockensten, wolkenfreisten und dunkelsten Orte (ohne Lichtverschmutzung) der Erde. Der Mittelpunkt der Anlage ist das Very Large Telescope (VLT). Es besteht aus 4 Hauptteleskopen und 4 Hilfsteleskopen.
Skulptur eines chilenischen Künstlers, Mano del Desierto (Hand der Wüste).
Wir überlegten, wie unserer Reise weitergehen sollte. Die Küste hörte sich gruselig an, alles Industrie, große Häfen und Bergbau und somit fuhren wir auf die Ruta 5 Richtung San Pedro de Atacama. Durch so eine hässliche Gegend fuhren wir noch nie. In einer der großen Städte wie Antofagasta oder Calama zu übernachten kam für uns nicht in Frage und außer Ruinenstädten (Salpeter) gab es nur Sand, Abraumhalden, Schutt, Industrie und LKWˋs.
Der kleine Ort Sierra Gorda ist ein Synonym für eine der größten Kupferminen Chiles. Er ist umgeben von einer kargen, fast marsähnlichen Wüstenlandschaft auf einer Höhe von ca. 1.600 m. Hier übernachteten wir in einer Parkbucht am Straßenrand und aßen in einem einfachen, aber guten Restaurant. Es war Samstag und die Tische waren mit Bergleuten besetzt, die uns alle begrüßten.
San Pedro de Atacama ist 2.440 m hoch und der Haupttouristenort in der Atacama-Wüste. Die Altstadt ist von Touristen völlig überlaufen. Von hier aus werden Touren zu allen Sehenswürdigkeiten angeboten. Insbesondere die Fußgängerzone ist zugepflastert mit Restaurants, Souvenirläden und Tour-Anbietern. Trotzdem ist es ein Wüstenort, sehr staubig, mit Lehmhäusern und Sandstraßen. Hier scheint immer die Sonne, es regnet so gut wie nie und der Himmel ist immer blau. Dafür ist es morgens frisch, nachmittags 28 Grad warm, abends wird es oft windig und ab 20 Uhr gingen wir in geschlossene Räume. Hier war richtig was los, und nach so langen einsamen Wüstenfahrten hat es uns für ein paar Tage gut gefallen. Wir trafen Renate und Gerd, die mit einem Motorrad mit Beiwagen und Zelt unterwegs waren, Respekt!!
Auf dem Weg zur Laguna Miscanti (ca. 4.200 m hoch) übernachteten wir im kleinen Ort Toconao, an einem schönen Glockenturm in einem kleinen gepflegten Park. Ansonsten war der Ort sehr verfallen und staubig, bis auf die Straßen, die von den Touristen befahren werden.
Die Laguna Miscanti und Laguna Miniques faszinieren durch den extremen Kontrast der Farben. Je nach Sonneneinstrahlung schimmern sie dunkelblau bis hin zu einem leuchtenden türkis, davor am Ufer das goldgelbe peruanische Federgras und im Hintergrund die 5.622 m und 5.910 m hohen Vulkane Miscanti und Miniques.
Die Höllen-Schlucht (Valle de la Muerte) in der Nähe von San Pedro erkundeten wir zu Fuß, da durch eine Überschwemmung die Wege stark beschädigt und nicht mehr befahrbar waren … und das in einer der trockensten Gegenden der Welt !! Es war eine große Schlucht mit wunderbaren Felsformationen, ohne Massentourismus und wir dort ganz alleine.
Die völlig erschreckende Anzahl der Touristenbusse am Eintritt zum Valle de la Luna schreckte uns ab und ließ uns auf der Stelle umkehren.
El Tatio ist einer der höchstgelegenen Geysir-Felder der Welt (4.300 m hoch) und bietet ein großartiges Schauspiel. Aus Erdlöchern dampft und sprudelt heißes Wasser und große Wasser- und Dampffontänen schießen in die Luft, die nach faulen Eiern riecht. Die geführten Massentouren fahren schon lange vor Sonnenaufgang los, da dann dieses Schauspiel der Wasser- und Dampffontänen am spektakulärsten sein soll. Morgens soll es dort bis zu -10 Grad und noch kälter sein. Das geht für uns gar nicht. Dafür hatten wir nachmittags das Geysir-Feld für uns. Heike „rannte“ trotz Höhe überall herum, Yvonne musste es schon langsamer angehen, da ihr sonst die Puste ausging. Von hier aus verabschiedeten wir uns erstmal von der Höhe und fuhren Richtung Küste.
Chiu Chiu war ein kleiner Ort mit einer Menge Restaurants und vielen chilenischen Besuchern. Er war einst ein wichtiger Stopp am Inka-Pfad. Sehenswert und wunderschön war die älteste noch erhaltene Kirche des Landes, Iglesia de San Francisco. Die Mauern sind beeindruckende 1,20 m dick und bestehen aus sonnengetrockneten Lehmziegeln. Das Dach ist ein technisches Wunderwerk, bestehend aus Kaktus-Holz. Da es in der Wüste kein Metall für Nägel gab, wurden die Holzbalken mit Lederriemen aus Lama-Haut zusammengebunden.
Die Straße durchs Landesinnere bis zum Meer war eine Katastrophe. Überall Bergbauspuren, Abraumhalden, Baustellen, Geröll, Sand, Staub und viele LKW`s. Das sind Augenblicke einer Reise, in der wir uns fragen „was machen wir hier eigentlich???“
In der Wüste gibt es einiges zu sehen. Oft fährt man über schlechte Wellblechpisten in die Wüste hinein und kommt zu einer Sehenswürdigkeit. Dort steht häufig ein kleines Häuschen, in dem der Wächter wohnt. Meistens bezahlt man eine kleine Eintrittsgebühr und kann sich nach einer Einweisung alles in Ruhe ansehen. Die Anlagen sind sehr gepflegt und liebevoll angelegt.
Querfeldein fuhren wir über eine Wellblechpiste zur archäologischen Stätte Chug-Chug. Hier wurden Geoglyphen gefunden, die überwiegend zwischen 900 und 1.500 n. Chr. angelegt wurden. Sie dienten vermutlich als Wegweiser für die Händler und spielten auch eine Rolle bei religiösen Ritualen.
Absolut großartig ist die wunderbare Panoramastraße direkt entlang der Küste. Rechts die hohen Berge und links das Meer mit seinen tosenden schäumenden Wellen und kleinen Sandbuchten. Dort sieht man kleine Häuser oder Orte und dazwischen eine gut ausgebaute zweispurige Straße.
Caleta Urco ist ein Ort, der auf einer kleinen Landzunge liegt. Urco ist eine Ferienanlage, in der aber auch das ganze Jahr über Chilenen wohnen. Hier gab es keine Kneipe oder Restaurant und alle Geschäfte waren geschlossen. Die Häuschen im Ort sehen in etwa so aus wie bei uns Schrebergartenhäuser, aber dicht an dicht ohne Gärten. Sie sind mit einem Zaun oder von Platten umgeben.
Die Bucht ist wunderschön, aber die Menschen, die hier wohnen, haben sie völlig verschmutz. Morgens hat die Sonne geschienen und es gab keinen Küstennebel.
Als mehrere LKW`s am Straßenrand standen, wussten wir, hier gibt es gutes, abwechslungsreiches Essen. Wir bestellten Paila de huevos, das sind Eier, die in einer kleinen Pfanne zubereitet und auch in der Pfanne am Tisch serviert und gegessen werden. Dazu wird Brot und Tee gereicht. Die Chefin hat sich sehr darüber amüsiert, dass wir nichts mit dem Tee anzufangen wussten … erst kam der Blättersud in die Tasse und dann das heiße Wasser hinterher.
Im Ort Caleta Chanavaya sitzen wir wunderschön am Strand vor den brausenden Wellen. Hinter uns die riesigen Berge der aufsteigenden Anden, auf denen wir weit oben die LKW`s so klein wie bei einer Modelleisenbahn fahren sehen. Der Strand sowie der Ort sind diesmal super sauber. Er wird von den Aymara gepflegt, eine der ältesten und größten indigenen Völker Südamerikas, da diese Gegend zu ihrem kulturellen Erbe gehört.
Da wir außerhalb der Urlaubszeit hier sind, gibt es so gut wie keine Touristen mehr und wir essen wieder in einem LKW-Restaurant oben an der Straße. Das Wetter ist wunderschön, nachts ist es kühl und tagsüber 25 Grad bei Sonnenschein.
Mitten in Iquique gab es einen sehr kleinen Campingplatz, auf dem 6 Autos standen und wir zwischen 2 großen Trucks fast eingeklemmt wurden. Hier lernten wir die netten Schweizer Conny und Geni kennen. Zu Fuß konnten wir von hier direkt in die Innenstadt laufen oder uns mit Uber fahren lassen. Iquique gehört für uns mit zu den schönsten Städten Chiles, mit seinem historischen Stadtkern, seinen hölzernen Gehwegen in der Fußgängerzone, mit vielen Sehenswürdigkeiten, Bars und Restaurants.
Der Hafen aber war für uns der Knaller. Überall an der Hafenmauer lagen dicke fette Seelöwen. Hier werden die Reste des Fischmarktes ins Meer geschüttet und sie fressen alles auf. Es ist faszinierend, aber auch ekelig anzusehen wie sie fressen, schnaufen sich dann streiten und beißen.
Die Salpeterstadt Humberstone in der Atacama Wüste ist eine verlassene Geisterstadt und UNESCO-Weltkulturerbe. Sie ist Zeuge der extrem harten Lebensbedingungen der Salpeterarbeiter und Familien, voller Entbehrungen und von einer fast totalen Abhängigkeit von den Minenbetreibern. Die Minenstädte lagen mitten in einer der trockensten Gegenden der Erde und somit sehr isoliert. Die Arbeiter bekamen kein Geld sondern Fichas, das war eine eigene Währung, die nur in den Läden der Minen (Pulperias) gültig waren. Die Betreiber legten die Preise fest wie sie wollten. Die Unterkünfte spiegelten die strikte soziale Hierarchie wider. Die meist ausländischen Verwalter lebten in komfortablen Häusern, die Arbeiter dagegen in Reihenhaussiedlungen auf engstem Raum. Durch die Bausubstanz konnten die Temperaturschwankungen zwischen tagsüber glühend heiß und nachts unerträglich kalt kaum ausgeglichen werden. Die Männer schufteten oft mehr als 12 Stunden täglich an 7 Tagen in der Woche bei brennender Sonne, ohne Arbeitsschutz oder nur rudimentärer medizinischer Versorgung. Sie wurden fast wie Sklaven gehalten.
Im Museum war unserer Meinung nach das Elend der Arbeiter und ihrer Familien schlecht erkennbar.
Im Dezember 1907 legten tausende Arbeiter die Arbeit nieder und marschierten aus der Wüste hinunter in die Hafenstadt Iquique, um bessere Löhne und sichere Arbeitsbedingungen zu fordern. Als die Streikenden sich weigerten in die Minen zurückzugehen, gab ein General auf Befehl des Innenministeriums den Schießbefehl. Historische Untersuchungen und Augenzeugenberichte gehen von 2.000 bis 3.000 Toten aus, darunter auch Frauen und Kinder, die ihre Ehemänner und Väter begleiteten. Dieses Massaker ist als das Massaker von Santa Maria de Iquique bekannt und tief in der chilenischen Kultur verwurzelt. Es fand in einer Zeit statt, in der Chile extrem wohlhabend war. Dieser Reichtum kam aber fast ausschließlich der Elite und ausländischen Investoren zugute.
Nachher waren wir bei dem Riesen von Tarapacá.
Über Pozo Almonte ging es weiter in die Berge. Da wir auf dem Altiplano auf mehr als 4.000 m schlafen wollten, akklimatisierten wir uns schrittweise. Dies ist wichtig, damit wir nicht wie andere Reisende, die wir unterwegs trafen, Kopfschmerzen und Luftnot, also die Höhenkrankheit bekommen.
Erst übernachteten wir mitten in den Bergen bei Mocha auf etwas über 2.500 m. Hinter Sand- und Schotterbergen standen wir verborgen, abseits der Hauptstraße nach Bolivien. Der Platz war schmutzig und staubig, es war kalt und regnerisch.
20 km von unserem Übernachtungsplatz und 1.000 Höhenmeter weiter, also auf 3.500 m war unsere nächster Platz der Akklimatisation, in Chusmiza. Dort war ein Lokal für LKW Fahrer, direkt an der Straße No. 15, der Hauptstraße nach Bolivien. Auf einem alten Fußballplatz saßen wir auf unseren Stühlen in der Sonne. Es gibt Schlimmeres …
Das Essen im Restaurant war nicht so toll. Trockener Reis, fettige Pommes, 1 Ei, 1 gebratene Wurstscheibe aus Rind. Speisekarten waren vorhanden, aber davon gab es anscheinend nur ein Gericht. Es lag aber auch an unseren rudimentären Sprachkenntnissen. Die nette Bedienung gab sich große Mühe, aber die Kommunikation klappte einfach nicht. Nachts war es 9 Grad.
Morgens fuhren wir früh los, in die Grenzstadt Colchane. Dort sollte es in Kanistern Diesel zu kaufen geben. Obwohl wir an mehreren Türen klopften klappte es nicht. Es war nicht viel los dort, wir sahen aber Kleinbusse, aus denen Männer mit Koffern stiegen. Es sollen hier viele Flüchtlinge über die Grenze kommen. Colchane ist kein charmanter Ort und wie das oft an den Grenzen ist, ist die Bevölkerung auch nicht freundlich.
Isluga ist eine vollständig verlassene Siedlung. Es handelt sich um ein reines „Ritualdorf“ der Aymara. Hier kommen sie nur an ihren hohen Feiertagen zusammen. Die Aymara mussten auf Druck der Eroberer christliche Elemente in ihre Religion übernehmen, haben ihre eigenen aber auch behalten. So feiern die Aymara ihre Feste nicht in der Kirche, sondern auf dem unscheinbaren Platz daneben.
Unterwegs fuhren wir durch mehrere verlassene Dörfer.
Das Wetter wurde immer schlechter. Wir fuhren die A235 an der bolivianischen Grenze entlang, ein spektakulärer Abschnitt der Ruta Andina. Die Landschaft muss sehr schön sein, aber durch Regen, Nebel und die wolkenverhangenen Berge sahen wir leider nicht besonders viel. Das Schönste während der Fahrt waren die mit bunten Bändchen geschmückten puschligen Lamas und Alpakas mit ihren sooo süßen Jungtieren.
Unser Ziel war der faszinierende Salzsee Salar de Surire, ein Eldorado für drei verschiedene Flamingo-Arten. Er liegt auf der extremen Höhe von ca. 4.250 m in den Anden, dem sogenannten Altiplano, einer riesigen faszinierenden Hochebene in den Anden Südamerikas, etwa 3.500 bis über 4.000 m hoch. Noch ist der Salar de Surire wild, einsam und touristisch kaum erschlossen. Das Gebiet ist ein Naturschutzgebiet und trotzdem wird im See in großem Stil Borax gewonnen, ein sehr gefragter Rohstoff für die Industrie.
Als wir abends am Flamingo-Punkt ankamen, wurde es schon dunkel und es waren 0 Grad. In dieser Höhe funktioniert unsere Dieselheizung nicht. Durch das Kochen (tun wir sonst sehr selten) wurde es etwas wärmer und im Bett konnten wir es noch gut aushalten. Der Tag war aufgrund des Wetters für uns eine Enttäuschung. Dafür hatten wir mit der Höhe keine Probleme, aber geschlafen haben wir beide nicht so gut.
Am nächsten Morgen öffneten wir unsere Tür und waren total geflasht. Die Aussicht auf die großen 5.000 er und 6.000 er, teils mit Schnee bedeckt, um uns herum war atemberaubend. Der Salzsee leuchtete in der Sonne, wir sahen viele Flamingos unter einem strahlend blauen Himmel. Ein Traum.
Unser Kühlschrank machte morgens so starke Geräusche, dass wir ihn sofort abschalteten, da wir dachten er wäre kaputt. Es war für uns eine kleine Katastrophe. Zurück auf Meereshöhe, war zum Glück alles wieder in Ordnung. Also auch am Kühlschrank geht die extreme Höhe nicht spurlos vorbei.
Leider sollte das Wetter wieder schlechter werden, und so mussten wir diesen magischen Ort schon bald verlassen.
Am Lago Chungará, ca. 4.500 m hoch, sahen wir den Vulkan Parinacota 6.348 m neben dem Zwillingsvulkan Pomerape.
In Putre, 3.500 m hoch, ein kleiner gemütlicher Touristenort, schliefen wir wieder gut.
Runter zum Meer war der LKW-Highway sehr gut ausgebaut, aber wir befanden uns noch sehr lange Zeit auf 4.000 m. Zwischen den Felsen wuchsen Kandelaber-Kakteen.
Am Straßenrand sieht man hier, wie auch in ganz Chile, Gedenkstätten (Animitas) die den Ort markieren, an dem ein Mensch plötzlich oder gewaltsam (Unfallopfer) ums Leben gekommen ist. Nach dem Volksglauben verbleibt die Seele an diesem Ort, weil sie keine Zeit hatte, sich auf den Tod vorzubereiten.
Die Animitas sind oft sehr aufwändig und auch bunt errichtet, und sollen der Seele des Verstorbenen Schutz bieten. Die Angehörigen pflegen diesen Ort intensiv und stellen persönliche Gegenstände auf. Viele Chilenen glauben, dass die Seelen in den Animitas als Vermittler zwischen Gott und den Menschen fungieren und kleine Wunder bewirken können. Gläubige Menschen halten an diesen Orten an, entzünden eine Kerze und bitten die Animitas um Hilfe.
Arica ist die letzte Stadt vor der peruanischen Grenze. Da schon Nachsaison war, gab es nur noch wenige geöffnete Campingplätze und alle waren mehr als 10 km vom Zentrum entfernt. Die Gegend war extrem hässlich. Dem Campingplatzbetreiber gehörten 15 große Hunde, die ständig um uns herum liefen und alles verdreckten.
Mit Uber fuhren wir in die Innenstadt. Am Fuße und an den Hängen des riesigen Klippenberges Morro de Arica, dem markanten Wahrzeichen der Stadt, fand man sehr viele der berühmten 7.000 Jahre alten Chinchorro-Mumien. Die Mumien waren so fragil, dass sie nicht transportiert werden konnten. Heute befindet sich dort das Museo de Sitio Colón 10, in dem wir die Mumien durch einen begehbaren Glasboden genau an der Stelle betrachten konnten, an der sie Jahrtausende lagen.
Die Catedral de San Marcos wurde 1875 als Fertigbau-Eisenkonstruktion von Eifel errichtet.
Am nächsten Morgen wurde aufgrund des Krieges im Iran der Dieselpreis von 1,00 Euro auf 1,65 Euro erhöht. Über die Grenze fuhren wir nach Peru bis nach Lima, ca. 1.250 km von der Grenze entfernt, da wir dort unseren Sprinter nach Absprache mit dem Zoll stehen lassen können. In Südamerika darf man ein ausländisches Auto nur in Uruguay und in Peru legal für 1 Jahr abstellen.
Hier ein paar Zahlen:
Fläche: 756.000 km² (ca. 2 x so groß wie Deutschland)
Einwohner: 19.000.000 Hauptstadt: Santiago de Chile
Amtssprache: Spanisch
Staats- und Regierungsform: präsidentielle Republik
Zeitverschiebung: 7 Stunden
8 Tage in Uruguay und Argentinien,
38 Tage in Chile,
17 Tage in Peru mit dem Sprinter.
Insgesamt 65 Tage unterwegs gewesen.
46 x an unterschiedlichen Stellen übernachtet.
Insgesamt gefahrene km: 8.000 km
Preise in Peso (CLP), 1 Euro = 1.050 CLP
Diesel, 1 l 1.000 CLP
Wasser 1,6 l 1.050 CLP
Wasser 6,5 l 2.300 CLP
Milch 1 l 1.100 CLP
Bier 0,473 l 1.150 CLP
6 Eier 2.400 CLP
Obst, 1kg ca. 2.500 CLP
Im Restaurant / Café:
Bier, Fass (Shop) 0,5 l 4.500 CLP
Bier 0,33 l 4.500 CLP
Pisco Sour 6.000 CLP
Wein 0,75 l 14.000 CLP
Wasser 2.000 CLP
Latte 4.000 CLP
Salat, Avocado (Palta) mit Tomaten 4.500 CLP
Menu im einfachen Restaurant 8.000 CLP
Menu mit Fleisch / Fisch im teureren Restaurant 15.000 CLP