Chile 09.02. - 15.04.2026

Nach 27 Stunden "unterwegs" kamen wir ohne Probleme im UY-Storage in Uruguay an. Unsere neuen Reifen waren aufgezogen, unsere mitgebrachten Stoßdämpfer wurden montiert und unser Sprinter war abreisebereit. Wie immer waren nette Leute auf dem Platz, so auch Colli und Roland, er ein schwer überzeugter Schalker, der trotz unseres BVB Aufklebers mit uns sprach ;-))). Sie waren seit 2 Jahren in Südamerika unterwegs und freuten sich jetzt auf die "Jahreszeiten" zu Hause.

Am nächsten Tag trafen wir uns mit Martina und Rainer auf dem Sonnenplatz, in Punta Ballena, in der Nähe von Punta del Este. Rainer kochte und wir hatten einen feucht fröhlichen und sehr schönen Abend. Am nächsten Tag besichtigten wir ihr Grundstück in Acres de Solanas. Es liegt in einer sehr schönen und noblen Gegend. Ganz nah an der Laguna del Sauce gelegen und das Meer ist auch "um die Ecke".

Wir besuchten die Casapueblo (die bewohnbare Skulptur) des Künstlers Carlos Páez Vilaró, einer der bedeutendsten Künstler Uruguays. Dies der Sonne zugewandte strahlend weiße Haus wurde in 36 Jahren vom Künstler errichtet und beherbergt ein kleines Museum und ein Hotel. Bekannt wurde Vilaró auch durch "das Wunder der Anden", als sein Sohn mit seiner Rugby-Mannschaft in den Anden abstürzte und nach 72 Tagen aus der eisigen Kälte gerettet wurde. Vilaró gab nie auf und suchte ihn weiter, obwohl alle die Hoffnung auf Rettung bereits aufgegeben hatten.

In Piriápolis gibt es schöne Geschäfte, Lokale und eine große Promenade, auf der abends ein Karnevalszug stattfand. Die Zuschauer kamen mit ihren kleinen Campingstühlen, um am Rande der Rambla den Karnevalszug anzusehen. Der Zug faszinierte durch seine Buntheit, durch die leicht bekleideten Salsa-Tänzerinnen in ihren knappen, glitzernden und schimmernden Kostümen, mit hohen glänzenden Schuhen und ihrem aufwendigen Kopfschmuck. Begleitet wird der Zug u.a. von Candombe-Trommlern, die allen einheizten. Nach Mittenacht war dieses wunderbare Spektakel beendet.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von Martina und Rainer und überquerten die argentinische Grenze und landeten mal wieder in Gualeguaychú, einem richtig schönen Städtchen am Rio Uruguay. Morgens machte unser Sprinter starke Geräusche. So konnten wir auf keinen Fall weiter fahren. Es war Samstag und Karnevalszeit und wir befürchteten, dass alle Werkstätten geschlossen sind. Aber alles kein Problem, ein Mechaniker stellte sofort die richtige Diagnose und besorgte ein Reparaturset für den Nebenaggregatetrieb incl. Keilrippenriemen und nachmittags fuhren wir weiter.

Und ab dann wurde das Wetter schlecht. Es war schon spät, Cordoba war noch zu weit, Rosario gefiel uns gut, war aber so voller Menschen und Autos, dass wir keinen Übernachtungsplatz fanden und so landeten wir in Carcarana, in einer furchtbaren Clubanlage. Es regnete und gewitterte. Als wir am nächsten Tag in Córdoba ankamen war es Sonntag, alles war geschlossen und es war immer noch ganz schlechtes deprimierendes Wetter. Als wir den Campingplatz bezahlen wollten fragte uns der junge Pförtner nach unserem Alter. Als er unser stolzes Alter erfuhr, brauchten wir für die Übernachtung nichts zu bezahlen, unser Sprinter sollte aber umgerechnet ca. 7 USD kosten. Kreditkarten nahm er nicht an, bare USD wollte er nicht und so standen wir ganz umsonst dort. Anschließend schenkte er uns noch eine Flasche Mückenschutzmittel.

Unsere ursprüngliche "Planung" ging nur bis Córdoba, aber danach wollten wir hauptsächlich den Norden Argentiniens bereisen. Den ganzen Abend überlegten wir, wo wollen wir genau hin, wie und wo können wir uns wegen der Höhe akklimatisieren, wie wird das Wetter ... . Nachts regnete es so stark, dass die Zelte der anderen Camper abgesoffen waren. Unter das Vordach des Waschhauses verstauten sie kreuz und quer ihre Stühle, Tische und Matten, Essen und alles was sie hatten. Ein buntes Treiben.
Am nächsten Morgen regnete es immer noch und das gab den Ausschlag. Die Wetterkarte zeigte auch keine Entwarnung, aber hinter den Anden in Chile schien konstant die Sonne. Spontan entschieden wir, Argentinien so schnell wie möglich zu verlassen und über den 4.780 m hohen Paso Agua Negra nach Chile zu fahren. Dies ist der höchste internationale Grenzpass der Anden.
Nach einer langen und anstrengenden Fahrt landeten wir kurz bevor es dunkel wurde mitten im Nirgendwo am Hotel El Chiflón. Der Platz inmitten der Berge war phantastisch.


Wer durch Argentinien und Chile reist, sieht an den Straßenrändern immer wieder mit roten Flaggen geschmückte kleine Schreine, die von hunderten mit Wasser gefüllten Plastikflaschen umgeben sind. Dies ist zu Ehren von Difunta Correa, die heute als Heilige und Schutzpatronin der Straße verehrt wird. In einer Legende folgt sie aus Liebe ihrem im Bürgerkrieg verschleppten Mann zu Fuß mit ihrem Baby in die unbarmherzige Halbwüste. Dort verdurstete sie. Nach einigen Tagen fanden Gauchos die Leiche der toten Mutter. Völlig erstaunt stellten sie fest, dass das Baby lebte und immer noch an der Brust der verstorbenen Mutter trank, deren Muttermilch trotz des Todes nicht aufgehört hatte zu fließen.

Der Nationalpark Ischigualasto gehört zum Weltkulturerbe und wird auch Valle de La Luna (Mondtal) genannt. Das Tal ist eines der weltweit wichtigsten Stätte für Fossilienfunde. Forscher haben hier einige der ältesten und bekanntesten Dinosaurier-Skelette der Welt gefunden (ca. 230 Mio. Jahre alt). Der seltene aber heftige Regen und der Wind haben Figuren in den Sandstein geschliffen. Leider konnten wir den großen Park nur geführt befahren. Die Strecke, die wir in unserem Sprinter im Konvoi durch die Steinwüste zurücklegten war phantastisch und sehr eindrücklich. Wir sahen Skulpturen aus Stein, wie z. B. die Sphinx und ein Boccia-Feld.

Der Höhepunkt für uns war ein kleines Museum, in dem ein Fossil eines echten Dinosaurier, der nicht komplett ausgegraben war, besichtigt werden konnte.

Kurz vor dem Pass, in der Nähe von Rodeo gibt es einen See Dique Cuesta del Viento, der der Hotspot der Kitesurfer ist. Am See pfiff es uns orkanartig um die Ohren und überall sahen wir Segel im Wind.

Am Morgen, wir waren ganz allein, fühlten wir uns wie in einer Mondlandschaft, überall Lehm, kein Grün und umgeben waren wir von Bergen, die wie aufgeschüttete Kohlehalden des Ruhrgebietes aussahen. Von weitem sahen wir schneebedeckte Gipfel. Die Sonne schien, es ging kein Wind mehr und es war eine besondere Stimmung.

Bei der Ausreise aus Argentinien trug uns ein Grenzbeamter in eine Liste ein und wir bekamen einen kleinen Zettel mit einer Nummer. Diesen mussten wir nach der Überquerung des Passes bei der Einreise nach Chile wieder abgeben. Wären wir abends nicht angekommen, hätte man einen Suchtrupp losgeschickt … Sehr gespannt waren wir, wie uns die Überquerung des 4.780 m hohen Paso Agua Negra gefällt und wie uns die Höhe bekommt, da wir noch niemals so weit oben waren. Erst war die Straße asphaltiert, ging dann aber in Schotter und Wellblech über und unser Auto rappelte ganz schön stark. In der Höhe merkten wir die dünne Luft, aber trotzdem war die Passüberquerung großartig. Die Abfahrt nach Chile war viel steiler und die Autos, die uns aus der Gegenrichtung entgegen kamen, hatten beim Anfahren auf der unbefestigten Piste große Probleme. Unsere Passüberquerung dauerte sehr lange, da uns die Berge in ihren vielfältigen Farben, gelb, schwarz, rot und braun und die Schneegipfel in der Ferne faszinierten. Immer wieder legten wir Fotostopps ein.

... Passhöhe